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Schwimmschule Steyr   Ein Arbeiterbad als gebaute Hochkultur
28.03.2009 von Alexander Kaiser (xperience82)

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Ein Arbeiterbad als gebaute Hochkultur
(aus den OÖN vom 02.08.2008, Autor: Romana Ring)


Die Schwimmschule in Steyr ist ein besonderes Bad: 1874 von Josef Werndl für die Arbeiter der Steyr Werke errichtet, hat die in mehreren Etappen von den Welser Architekten Luger& Maul sanierte Anlage ihre einmalige Stimmung bewahrt.

Das liegt nicht unbedingt am Erhaltungszustand der ursprünglichen Bausubstanz, denn es ist davon nur wenig übrig. Die Weitergabe dieses Denkmales ist vielmehr ideell erfolgt und weitgehend der Liebe seiner Nutzer zu verdanken, die der Schwimmschule über alle politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Veränderungen hinweg die Treue gehalten haben. Zur baulichen Erneuerung haben sie mit Luger& Maul Architekten gewählt, die das Verständnis für das Wesen eines Ortes und einer Aufgabe stets an den Anfang ihrer Arbeit stellen.

Ein Wesensmerkmal der Schwimmschule Steyr ist ihr klarer Aufbau und die Nähe zur Natur. Ein großes Schwimm- und ein kleines Kinderbecken, vom Grundwasserstrom gespeist, eine große Liegewiese am bewaldeten Ufer der Steyr, von hölzernen Kabinen gesäumt: Damit ist sie, abgesehen vom kleinen Restbestand des historischen Kabinengebäudes und dem neuen Eingangsgebäude, schon umrissen.

Das Wasser ist frisch und wenn man auch heute nicht mehr in einem Teich schwimmt, so liegen dennoch Welten zwischen dem später einmal betonierten Becken mit seiner von Teerfugen durchzogenen Oberfläche und den mit schreiend blauer Folie oder - nobler - Edelstahl ausgekleideten Anlagen anderswo. Es gibt keine Rutschen, keine Türme, keine Fontänen, kein Wellness-Getue. In der Schwimmschule Steyr ist Schwimmen eine einfache Angelegenheit.

Kultureller Anspruch

So wird eine zweite Qualität gewahrt, die Luger& Maul mit ihren baulichen Eingriffen wiederbelebt oder hervorgehoben haben: Die Kabinentrakte, mit denen sie den vom Katastrophen-Hochwasser im Jahr 2002 weggespülten Bestand und - in einer zweiten Baustufe - das einst längs der Wehrgrabengasse bestehende Gebäude ersetzt haben, erheben in aller Bescheidenheit einen höchst kulturellen Anspruch.

Als vorgefertigte Holzbauten spannen sie den Bogen in die industriell geprägten Anfänge der Schwimmschule, in ihrer auf das Notwendigste reduzierten Sparsamkeit sind sie so einfach und robust, wie es die Aufgabe erfordert. Doch ihre schlanken Proportionen und die sorgfältig geschliffenen Details machen diese Freizeitanlage der Arbeiterschaft heute wie damals zu einem Werk der Baukultur.

Das an den originalgetreu restaurierten Restbestand der alten Schwimmschule schließende Eingangsgebäude setzt das Erfassen einer Stimmung mit den Mitteln der Architektur fort. Von einem Betonsockel aus dem Hochwasserbereich gehoben, ist auch dieser den Umkleiden und Sanitärbereichen gewidmete Pavillon aus Holz und Glas ein Musterbeispiel materialgerechter, leichter und funktioneller Eleganz.



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